Crowdsourcing - Schneemann mit Flocken

Crowdsourcing in der Grafik – erste Erfahrungen

Da ich kürzlich ein bisschen Zeit hatte, machte ich mich auf die Suche nach Crowdsourcing-Seiten für Grafik. Nun, was ist Crowdsourcing? Damit ihr eine Idee habt, worum es dabei geht, hat Wikipedia für euch einen Artikel crowdgesourct.

Das Prinzip ist simpel: Jemand möchte ein Produkt und erstellt dafür auf einer Webplattform für Creative-Crowdsourcing einen Wettbewerb. Darin enthalten ist ein Briefing mit Grundlagen-Daten, der Deadline, Vorstellungen, Wünschen, «No-Gos», dem Preisgeld und allem was sonst noch so relevant sein könnte.

Je nach Plattform stehen dem Ersteller noch weitere Optionen zur Verfügung: Zum Beispiel, dass die Designer nicht sehen, was andere eingereicht haben, geschlossene Wettbewerbe zwischen ausgewählten Designern, garantierte Wettbewerbe (also dass wirklich ein Entwurf ausgewählt, verwendet und bezahlt wird), etc. Die registrierten Designer lesen das Briefing und erstellen, wenn sie motiviert und inspiriert sind, Entwürfe.

Ich habe bisher lediglich an drei solchen Wettbewerben teilgenommen. Nicht um damit reich zu werden, sondern aus Neugierde, Spass und um meine Referenzen unter realen Bedingungen zu erweitern. Und wer weiss? Wenn jemand sehr zufrieden mit meiner Arbeit ist, lassen sich so vielleicht auch neue Kunden gewinnen. So viel zur einfachen Motivation des einfachen Grafikers.

Für Kunden bringt Crowdsourcing den Vorteil, dass sie für wenig Geld sehr viele Entwürfe erhalten. Die meisten Wettbewerbe werden zwischen 100 und 300 Euro ausgeschrieben; auf der Crowdsourcing-Seite meiner Wahl. Dass Geld für Designer eine Motivation ist, lässt sich daran erkennen, dass für höher bezahlte Wettbewerbe in der Regel mehr Entwürfe eingereicht werden. Die eingereichten Entwürfe kann der Kunde dann bewerten und mit privaten Nachrichten modifizieren lassen – so hat er am Schluss ein Produkt, das für wenig Geld exakt seinen Vorstellungen entspricht. Klingt wunderbar!

Aber aus meiner Sicht liegt genau da ein Hund begraben. Ich gehe in eine Garage und lasse mir ein Auto zusammenstellen, das exakt meinen Vorstellungen entspricht: Es sollte für den Gebrauch in der Stadt klein sein, für die Ferien viel Stauraum haben, einigen Personen Platz bieten und natürlich geländetauglich sein, auf den ersten Blick schlicht, auf den zweiten Blick elegant, schmuck und edel, denn ich möchte mich damit auch bei Kunden zeigen. Schön wäre zudem noch eine ordentliche Leistung bei wenig Benzinverbrauch und: günstig muss es sein.

Mit dieser Analogie möchte ich niemanden lächerlich machen – aber ich als Kunde benötigte jetzt dringend eine gute Garagistin. Eine die mich freundlich darauf hinweist, dass ich meine Vorstellungen vielleicht noch einmal überdenken sollte. Das findet auf der Plattform nicht statt: Briefing, hundert Entwürfe, fertig. Was ist, wenn sich das Produkt als untauglich erweist? Wenn es im Web, im Druck oder in den sozialen Medien nicht funktioniert? Die Webseite steht, Briefpapier und Visitenkarten sind gedruckt, das frisch beschriftete Auto rollt die Einfahrt hoch. Viel Spass damit – davon stand nichts. Einer der dreissig Designer hat sein Geld und die Crowdsourcing-Seite ihres so oder so.

Natürlich: Das ist so ziemlich das übelste Szenario und so muss es nicht sein. Ich möchte noch einmal betonen, dass meine Erfahrung mit dem Thema bescheiden ist. Crowdsourcing für Grafik ist sicher eine gute Möglichkeit, um mit einem knappen Budget an ein Produkt zu kommen. Wichtig ist aber, dass dieses Produkt simpel und solide definiert ist. Ein spezielles Bild für einen Blog, eine Grafik um einen komplexen Sachverhalt klar darzustellen, etc. Aber für Produkte, die besser durchdacht sein wollen, lohnt es sich aus meiner Sicht, eine Fachperson aufzusuchen.

Für alle, die sich gern selbst ein Bild machen: