Tÿpo St. Gallen 2019

Alle zwei Jahre findet in St. Gallen die Tÿpo statt, zum fünften Mal vom 8. bis am 10. November dieses Jahres. Das Oberthema dieser Ausgabe war «Balance», gespickt mit Referentinnen und Referenten – meist aus dem deutschen Sprachraum – die das Thema aus ihren eigenen Blickwinkeln ausleuchteten.

Schön am Anlass ist die Nahbarkeit; in den Pausen vermischen sich Vortragende und Publikum. Man lernt viele spannende Menschen kennen und führt interessante Gespräche. Nicht nur über Gestaltung und Arbeit – auch wie man Familie und Job vereint und was man sonst tut. St. Gallen liegt zudem recht nah an Deutschland und Österreich, dadurch erhält man auch Einblick in die Denkweisen und den Berufsalltag unserer Nachbarn. Das sind spannende Vergleiche.

Etwas dicht war für mich das Programm. Nach fast drei Stunden Anreise 90 Minuten Vortrag ohne Pause liegt hart an meiner Schmerzgrenze – da wäre weniger mehr. Aber alles in allem eine schöne Erfahrung: Für den Austausch, fachlich und das Netzwerk. Auch mein Berufsverband – die Swiss Graphic Designers – war mit einem Stand vertreten. Dadurch lernte ich auch einige Mitglieder kennen, die ich bis anhin noch nicht getroffen habe.

Danke für die schöne Zeit!

Die Geschäftsführerin und die SGD-Präsidentin am SGD-Stand der Tÿpo St. Gallen 2019

Zum Programm:

Freitag 8. November

Nach einer kurzen Begrüssung geht’s los. Sabine und Hans Bockting präsentieren nicht nur schöne Arbeiten, sie erzählen auch die Geschichten und Umstände, durch die diese entstanden sind. Das verleiht der Präsentation Tiefe – und in mehreren Jahrzehnten Arbeit in der Designbranche erlebt man definitiv die eine oder andere Anekdote.

Darauf folgt Christopher Burke – Typograf, Schriftgestalter, Autor und Designhistoriker. Er erzählt über das Leben und die Arbeit des holländischen Schriftgestalters Gerard Unger. Nicht nur seine bekannte Schriften, sondern auch Skizzen, Persönlichkeit und Hintergründe werden aufgezeigt, die Ungers Werk in einen erweiterten Kontext stellen.

2 Menschen, 20 Jahre, 10 Bücher: Nach einer Pause erzählt Monika Malsy über ihre Zusammenarbeit mit dem Künstler Elger Esser. Balance zwischen Menschen, Arbeit, Ansprüchen und wie diese über die Zeit ihre Bucharbeiten prägen.

Im Anschluss folgen Sebastian Bayer, Andreas Hänggi, Pascal Hartmann und Vera Kaeser mit einer Forschungsarbeit über bewegte Plakate. Als Fokus wählen sie das Thema «Tourismus» und erstellen dafür mehrere Sujets zu bekannten Orten der Schweiz. Der Vortrag überzeugt mit Methodik und spannenden Erkenntnissen zu Zielfindung und Lösungsansätzen in Gruppenarbeiten.

Das inhaltliche Finale bestreitet Jost Hochuli mit einer Buchvernissage. Das Buch handelt von seinem Berufskollegen Max Koller, der unter anderem an der Schule für Gestaltung St. Gallen viele Jahre Typografie unterrichtete.

Das kulinarische Finale folgt im Rahmen eines feinen Apéros.

Tÿpo St. Gallen 2019: Teilnehmende am Apéro beim Austausch

Samstag 9. November

Das Programm startet um 10 Uhr mit vier Kurzvorträgen à 15 Minuten. Kurt Dornig spricht über Work-Life-Balance und illustriert seinen Vortrag mit vielen schönen Arbeitsbeispielen aus Auftrags- und freien Arbeiten. Nina Paim und Corine Gisel folgen mit «Finding Niggli» – eine Designforschung über den bekannten Niggli-Verlag. Judith Holly referiert über Pashkevilim in Mea Schearim; ein 100% analoges Medium im Umfeld strenger, jüdischer Lebensweise. Der Abschluss im Vortragsquartett erfolgt durch den Schriftenverlag Nouvelle Noire aus Zürich.

Weiter geht es nach einer kurzen Pause. Verena Panholzer, Gründerin und Art-Direktorin des Studio Es in Wien zeigt verschiedene Studioarbeiten aus verschiedenen Bereichen: Produktwerbung, Corporate, Editorial, etc. Nebst dem Optischen erläutert sie den Weg zu den Lösungen und erzählt vom Austausch mit ihren Kundinnen und Kunden.

Anika Kunst und Lilo Schäfer erzählen von ihren Erfahrungen beim Übergang vom Studium in die Realität als Gestalterinnen. Was sie bewegt hat, weshalb sie was wie entschieden haben und was sie sich in der Zukunft wünschen und vorstellen. Eine schöne Reflexion und ein spannender Beitrag and die Jüngeren Besucherinnen und Besucher der Tÿpo.

Nach dem Mittagessen und vor dem offiziellen Start der Nachmittagsvorträge stellt Rainer Erich Scheichelbauer baldige Änderungen und Neuigkeiten der kommenden Glyphs-App vor. Glyphs ist ein tolles – und bezahlbares – Programm für die Schriftgestaltung.

Um 14:30 startet der reguläre Teil mit einem Vortrag von Hans-Peter Kaeser über die Geschichte von Büchern, deren Gestaltern, Schriftgeschichte, Anekdoten und historische Zusammenhänge. Eine spannende Spanne vom fünften Jahrhundert nach Christus bis in die nähere Gegenwart.

Darauf folgt Jacques Le Bailly. Er arbeitet aktuell an einem Auftrag von Google und erweitert den Google-Font «Nunito Sans». In seinen 45 Minuten erläutert er den Verlauf vom Briefing bis zum voraussichtlichen Endprodukt eines variablen Schriftformats.

Nach einer Pause bilden zwei Vorträge den Abschluss der Referate: Mireille Burkhardt mit «London – Zürich?» und der bekannte Gestalter Andreas Uebele mit «konsequent inkonsequent». Nach einem moderierten Workshop über Selbstständigkeit klingt der Tag in der nahe gelegenen Militärkantine aus.

Tÿpo 2019: Schnappschuss aus dem Vortrag von Nouvelle Noire.

Sonntag 10. November

Ein Ausflug ins Sitterwerk St. Gallen bildet den Abschluss der Tÿpo 2019.

Weitere Informationen

Für Lob und Kritik bitte hier lang 🙂

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